4. zur Auseinandersetzung

Eine Weiterentwicklung der Psychologie

Wie können wir uns mit schrecklichen Situationen auseinandersetzen ohne in dunkle seelische Sphären hineingezogen zu werden, ohne dabei zu zersplittern und ohne die Fähigkeit zu Empfinden, zu Denken und selbst zu Wollen? Diese Frage stellt sich heute durchaus. Heute kann ich sagen, dies ist durchaus möglich und es ist in geringerem Umfang auch für traumatisierte Menschen möglich.  Dies gilt allerdings nur, wenn die Reflektion auf einer bestimmten Grundlage geschieht.

Diese Art der Reflektion geht von Gesetzen aus. Gesetze bleiben, sie ändern sich nicht einfach. Auch in der psychischen Welt, in der Welt des Bewusstseins existieren Gesetze, sie erschaffen hier genau wie in der materiellen eine Ordnung und Regeln, die jeder befolgen muss, wenn er sich hier in sinnvoller Weise bewegen will. In der physischen Welt ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich jeder den Gesetzen der Schwerkraft anpasst und ihnen entsprechend handelt. In der Erforschung der physischen Welt sind wir schon weit voran geschritten und so ist sie uns vertraut. Die seelische Welt jedoch, die Welt des Bewusstseins, diese Welt und ihre Gesetze ist uns noch sehr unbekannt.  Erst ab der Erkenntnis der Gesetze der Schwerkraft konnte die physische Welt in wissenschaftlicher Weise erforscht und verstanden werden. 

Auch die seelische Welt kann erst dann auf rationaler erforscht werden, wenn das wichtige Gesetz <Alles ist sehr gut>", zumindest im Sinne einer Hypothese akzeptiert wird. Dies bedeutet, dass alles einen Sinn hat, auch das noch so schreckliche und ein Sinn ist immer positiv. Wird mit diesem Gesetz  wie mit einer Hypothese umgegangen, dann ist eine zwar anstrengende, aber eine Auseinandersetzung mit selbst schrecklichen Dingen möglich. Diese Auseinandersetzung wirkt dann nicht retraumatisierend.

Die Psychologie entwickelt sich weiter, indem sie beginnt im Interesse der Menschen mit den Gesetzen der Psyche wie mit Hypothesen zu arbeiten. Es zeigt sich dann schon, ob diese Hypothesen weiterführen oder nicht.

Die Angst vor dem Bösen überwinden

Wer auf das Böse mit Schrecken und Panik reagiert und in diesen Emotionen gefangen bleibt, der ähnelt dem Kaninchen, das nicht vor der Schlange wegrennen kann, da es von ihr hypnotisiert worden ist. In eine entsprechende Situation gerät mit ziemlicher Sicherheit derjenige, der die Idee des Bösen nicht kennt. Dies ist doch ziemlich interessant.

Der Idee des Bösen näher kommen  Auch das Böse ist mit einer Idee verbunden. Und für die psychische Entwicklung ist es  notwendig, dass wir diese Idee kennen lernen. -  Was ist denn das Böse ? -  Wie wirkt es? Heute erleben wir das Böse sehr intensiv und dennoch ist es ein Geheimnis. Das Böse als die mutwillige Zerstörung, die Dunkelheit und der Hass. Ich glaube diese Seite von ihm ist gut bekannt, aber es gibt noch eine andere. Das Böse ist auch das, was uns den Aufbau, das Licht und die Liebe erkennen lässt. Wie könnte ich Regeneration ohne die Erfahrung der Zerstörung auf der anderen Seite, erleben und erkennen. Diese Wirkung des Bösen dient doch dem Leben und ist damit gut. Und wie könnte ein Heiliger, der sich in der Ekstase des Glückes, in der Einheit mit dem Leben verloren hat,  selbst wieder finden, wenn ihm nicht das Böse dabei helfen würde. Das Böse kann diese Einheit zerstören und auch das ist gut. Die Idee des Bösen besteht darin die Entwicklung und das Leben zu fördern. Das Leben benötigt das Böse in gleicher Weise wie das Gute. Nur sind viele Menschen, auch ich, heute vom Bösen gesättigt. Sie haben davon genug erlebt und so haben sie eine Abwehr, vielleicht sogar eine Allergie ihm gegenüber entwickelt. Aber dies beschreibt doch nur unser momentanes Verhältnis und ist damit ein relativer Standpunkt. Ein Gesetz wie <das Böse ist überflüssig im Leben und sollte eliminiert werden>, ein solches Gesetz existiert in der Psyche nicht. Die Kirche hat die Angewohnheit so zu tun, als ob ein solches Gesetz existiert. Aber Angewohnheiten erzeugen keine Wahrheit, sondern subjektive Vorlieben.

 

Wenn uns das Böse trifft oder wir Böses betrachten müssen, dann beschützt uns die Besinnung auf die mit ihm verbundene Idee vor der Bindung an das Böse, die ansonsten leicht entstehen könnte. In keiner Situation, als in der, die uns zur Auseinandersetzung  mit Dunklem und vielleicht sogar Unheimlichen zum Wohle aller, zwingt,  wird eins so klar und deutlich: Der Bezug zu den Gesetzen der Seele ist ein unmittelbaren Schutz für unserer seelische und körperliche Gesundheit. Wir bemerken in dieser Situation unmittelbar -  da ist etwas, das ist nicht aus der bekannten Welt und es ist von unbeschreiblichem Wert.   -    Dies ist nichts anderes als die potente Idee, wie sie an andere Stelle genannt wird.

Das Böse verheimlich diese Verbindung mit der Idee des Bösen und baut die Illusion auf, dass es sich außerhalb des     Lebens befindet.

Die Vertikale und die horizontale

Die Gefahr der psychologischen Reflektion

 

 

 

 

 

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Arten der Auseinandersetzung. Ich nenne sie hier die horizontale und die vertikale Auseinandersetzung. Ihnen liegen zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen zugrunde, die horizentale und die vertikale.

Als Mensch bin ich mit beiden verbunden, wenn auch in unterschiedlichem Maße.

 

Die horizontale ist allgemein bekannt. Etwas überspitzt ausgedrückt ist es die Welt der unendlich vielen Meinungen, aus meiner Sicht sehen die Dinge so aus und aus der Sicht des anderen so. Gäbe es nur diese persönliche Sichtweise, dann könnte niemand den anderen verstehen. Und tatsächlich ist es schwieriger geworden, den anderen zu verstehen. Wir können uns nur verständigen, da auch eine