2. 1.  Eine Beschreibung   -  2. 2. Ihre Wirkung   -  2. 3. Wenn Rhythmen zerstört werden

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

2. Rhythmen

2. 1. Eine Beschreibung

Das Leben lässt uns fortlaufend Rhythmen erfahren. So sind wir in den Rhythmus des Tages hineingestellt. Am Morgen erleben wir wie die Sonne im Osten aufsteigt, die Frische und wie alle Dinge immer klarer im Licht hervortreten. Bis zum Mittag steht sie dann mehr oder weniger über uns und hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Frische vom frühen Morgen ist vergangen. Nun wendet sie ihre Richtung. Dem Aufstieg folgt nun der Abstieg bis schließlich die Dämmerung einsetzt. Jetzt beginnt die Nacht. Die glitzernden Sterne und der leuchtende Mond sind aufgegangen und bewegen sich langsam über den dunklen Himmel.

Jeden Tag können wir dies erleben. Dieser tägliche Rhythmus ist in einen größeren, in das Jahr mit dem Winter, Frühling, Sommer und dem Herbst eingefügt. Im Winter erfahren wir den Rückzug des Lebens. Der Einfluss der Sonne ist gering während der, der Dunkelheit und der Kälte groß ist. Die Kälte lässt alles erstarren.

Wenn die Tage am kürzesten sind, dann befindet sich der Winter auf seinem Höhepunkt, der zugleich der Wendepunkt ist. Diese  Situation besteht kurz vor Weihnachten. Jetzt wendet sich die Situation und die Sonne wird von nun an immer länger scheinen. Aber noch ist Winter, dennoch -  dies ist sein heller Teil. Ab Februar beginnen die Säfte in den Bäumen aufzusteigen. Manche Saat kann schon aus gebracht werden und die Schneeglöckchen beginnen zu blühen.

Wer lernen oder lehren möchte, für den ist die Erforschung von Rhythmen wichtig.

2. 2. Ihre Wirkung

Eine wichtige Wirkung der Rhythmen ist, dass sie die Erfahrung von Hunger und Sättigung ermöglichen. Im Sommer  erreicht unser Bedürfnis nach Wärme und Licht eine Sättigung und nun wir beginnen uns nach der Kühle und der Dunkelheit zu sehnen. Am Morgen möchten wir aktiv sein und ab dem Mittag entsteht zunehmend das Verlangen nach mehr Ruhe. Der Hunger lässt uns erfahren, dass wir selbst etwas wollen und die Sättigung, dass unser Wunsch erfüllt wird. Wir erleben so den eigenen Willen und können Vertrauen in das Leben entwickeln.

Ohne den Unterschied zwischen Hunger und Sättigung gäbe es kein Bewusstsein, wir könnten nichts erleben. Wir könnten zu niemandem einen Bezug aufbauen und  würden wie in ein dunkles schwarzes Loch der Bewusstseinslosigkeit fallen. Die Rhythmen lassen uns erkennen, dass ein absolut Gutes und ein absolut Böses nicht existieren kann. Ist der Hunger böse und die Sättigung gut? Das hängt davon ab, ob derjenige gerade ausreichend satt oder ob er ausreichend hunrig ist. Immer weiter gemästet zu werden ist sicherlich nicht angenehmer als immer weiter zu hungern.

Wer Rhythmen betrachtet und über sie reflektiert, der wird zunehmend eine Toleranz entwickeln.

2. 3. Wenn Rhythmen zerstört werden

durch die Zerstörung der Erfahrung von Hunger und Sättigung

Um das Bewusstsein aufrechterhalten zu können benötigen wir die Erfahrung von Hunger und Sättigung, des Unterschiedes zwischen Hunger und Satt-sein und das Erleben unseres eigenen Willens. Die natürlichen Rhythmen erzeugen in vielfältiger Weise genau diese Situation. 

Wir leben in einer Konsumgesellschaft, die unsere "Bedürfnisse" fortlaufend dazu benutzt, um ihre Produkte zu verkaufen. Die Produkte dienen häufig nicht der Befriedigung unserer Bedürfnisse, sondern umgekehrt unsere Bedürfnisse sollen dem Verkauf von Produkten dienlich sein. Nicht selten wird künstlich ein Appetit erzeugt und der Geschmack verändert. All dies fördert den Absatz der Produkte. Meine Bedürfnisse, die eigentlich meiner Entwicklung dienen, werden hier benutzt, ja missbraucht um das Bedürfnis von anderen nach mehr Macht und Geltung zu befriedigen. Ich, das Individuum wird auf diese Weise negiert und entwertet. Der das Bewusstsein fördernde Rhythmus wird auf diese Weise zumindest geschwächt und psychische Erkrankungen, insbesondere die Entwicklung von Depressionen werden gefördert.

Werbung bewusst zu bemerken und ihre Wirkungen zu reflektieren ist sicherlich förderlich.

durch eine Mechanik

Eine andere Methode zur Zerstörung von Rhythmen geschieht nicht durch den Missbrauch unserer Bedürfnisse, sondern mit der Unterwanderung der Rhythmen durch die Mechanik. Bildlich ausgedrückt ist ein Rhythmus wie ein mäandernder Fluss, der immer wieder in einen ruhigen See einmündet, um dann wieder von Neuem mit seiner Bewegung zu beginnen. Niemals fließt er gerade. Die Mechanik erzeugt im Unterschied dazu gerade, gemessen kürzere Wege.

Für diese Unterwanderung wird das Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit benutzt. Viele Menschen sind heute sehr unsicher, da sich die Halt gebenden Instinkte weitgehend aufgelöst haben und scheinbar alles subjektiv geworden ist.

Innerhalb des Psychischen existieren durchaus Gesetze, die zur Orientierung genutzt werden können und Halt geben, nur sind diese kaum bekannt.

Diese Unsicherheit wird nun benutzt um immer mehr Mechanik, in der Form eines mechanischen Regelwerkes in  das Gemeinschaftsleben hineinzubringen. Die Mechanisierung in der Pädagogik ist hierfür ein Beispiel.

Wieso entsteht Gerechtigkeit, wenn der Lehrer im Sinne einer Mechanik alle Schüler gleich behandelt?  So kann weder der Lehrer arbeiten noch der Schüler lernen. Gerechtigkeit hat doch nichts mit Nichtwahrnehmung der Einzigartigkeit, mit Nichtreaktion auf die Einzigartigkeit dieses Menschen zu tun. Diese Art des Umgangs hilft nicht dem Lehrer, seine persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben zugunsten einer allgemeinen Menschenliebe zurückzustellen, – im Gegenteil, ein Lehrer der sich bemüht alle Schüler in mechanischer Weise gleich zu behandeln, schwächt sein Zentrum, denn er verbietet sich selbst schöpferisch tätig zu werden. Die Folge davon wird sein, dass er aufgrund des zunehmend geschwächten Ich seine persönlichen Belange immer weniger unter Kontrolle hat. Im Ergebnis verliert er die Beziehung zu den Schülern, zum Lernstoff und zu sich selbst, der Unterricht wird immer anstrengender. Er erschöpft zunehmend und wird immer ungerechter, da er sich nicht mehr kontrollieren kann.

Innerhalb des Rhythmus tritt die Einzigartigkeit deutlich hervor, sie stört überhaupt nicht, sondern wirkt bereichernd. In der Mechanik jedoch ist das Einzigartige, das Individuelle ein Störfaktor und wird  abgeschliffen, gebrochen oder einfach zerstört. So wird der Bezug des Menschen zu seinen Talenten, zu seinem schöpferischen Potential und zu sich selbst immer weiter geschwächt.

Der Rhythmus entspricht dem Leben während die Mechanik dem Tod entspricht.

durch die Entdeutung

Mit der Entwicklung der Massenmedien im dritten Reich hat die Sprache eine neue Bedeutung erlangt. Seitdem wird sie intensiv zur Beeinflussung der Menschen eingesetzt und ist hierfür verändert worden. Ursprünglich enthalten Begriffe Ideen. Diese sind heute weitgehend verschwunden. Die Bedeutung der Begriffe, ihr Sinn, die potente Idee ist aus ihnen entfernt. Der Begriff der potenten Idee wird hier im Sinne von Platons Idee verwendet. Mehr finden Sie hierzu unter dem Kapitel «potente Ideen». Der Leser kann sie oft noch finden, wenn er in den Bedeutungswörterbüchern nach ihnen sucht.

Durch den Verlust der potenten Idee sind die Begriffe immer unklarer und ist das Wort ziemlich wirkungslos geworden. Allerdings kann nun der Sprecher viel besser seine persönlichen Absichten unter dem Deckmantel der Wörter zur Wirkung kommen lassen. Solche Wörter sind zum Hypnotisieren geeignet. Dies wäre nie möglich, wenn sie noch ihre Bedeutung, ihre potente Idee enthalten würden. Jeder Rhythmus ist ein Ausdruck der potenten Idee der Entwicklungsförderung. Wirkt der Rhythmus nicht förderlich auf die Entwicklung, wenn er die Entwicklung des Bewusstseins ermöglicht? Indem dem Wort „Rhythmus” die Idee der Entwicklungsförderung genommen wird, verliert der Mensch den Bezug zu einem die Entwicklung fördernden Rhythmus.

Die potente Idee kann nur erkannt werden, wenn der Mensch weiterentwickelt menschlicher wird. Hier erscheint deutlich ein Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsstand des Menschen und dem der Wissenschaft.

Zusammenfassung

 Mit dem Verlust der Beziehung zur potenten Idee, der Infiltrierung der Rhythmen durch Mechanik und des Missbrauchs der Bedürfnisse wird Erfahrung des Grundrhythmus von Hunger und Sättigung behindert (1), mit der Infiltrierung des Lebens mit der Mechanik werden sie zersetzt (2) und mit dem Verlust der potenten Idee verlieren wir den Bezug zu der Natur des Rhythmus (3). Der Mensch reagiert hierauf mit psychischen und körperlichen Erkrankungen und die Natur wird immer weiter reduziert, dies bedeutet Leiden. Dies fördert die Entwicklung des Wunsches eine harmonische Beziehung zur Natur und den Mitmenschen zu entwickeln und so wird eine Basis zur Erforschung der Rhythmen geschaffen.